Sehenswürdigkeiten der Stadt Braunau
Stadtpfarrkirche St. Stephanus (Plan Nr. 5)

Im Jahre 1439 wurde durch den Ranshofener Probst Erasmus der Grundstein für die Kirche gelegt und 1466 weihte der Passauer Bischof Ulrich den mächtigen Sakralbau. Der Bau gilt heute neben dem St. Stephansdom in Wien als der bedeutendste spätgotische Kirchenbau Österreichs, dessen ursprüngliche Bauform vollständig erhalten blieb. Der Hauptbaumeister der Kirche war Stephan Krumenauer, der aber schon 1460 verstorben ist.
Die Bauherren waren die Zünfte der Stadt Braunau. Durch eines der drei großen, mit gotischem Lilienbeschlag versehenen Portale, gelangt man in die dreischiffige Halle. 60 m ist die Kirche lang, 25 m breit und im Mittelschiff 20 m hoch. Aus den Diensten an zwölf schlanken achteckigen Säulen wächst das formvollendete Netzrippengewölbe heraus. Die an den Außenseiten gotischer Kirchen allgemein sichtbaren Strebepfeiler, die zum Abstützen des schweren Daches dienen, wurden an der Nord- und Südseite der Kirche in den Kirchenraum miteinbezogen. Daraus entstand je eine aus sechs Kapellen bestehende Kapellenreihe. Diese Kapellen waren den reichen Zünften vorbehalten. An der Nordseite sind es die Herzogs- oder Elendskapelle, jene der Kaufleutzeche, die Schmiede- und Wagnerkapelle, die Weber-, die Bäcker- und die Hammererkapelle, an der Südseite sind es die Grafen-, die Bräuer-, die Müller-, die Mauerer-, die Gerber und die Metzgerkapelle. In fast allen Kapellen stehen barocke Altäre, manche Kapellenräume wurden vollständig barockisiert. Diese Barockarbeiten entstanden nach 1650. Lediglich die Bäckerkapelle ist als einzige noch im gotischen Stil vollständig erhalten.
Der hohe Flügelaltar stammt aus der Zeit vor 1490. Der neue Hochaltar wurde 1904 vom Regensburger Altarbaumeister Georg Schreiner gebaut und anstelle eines großen Barockaltares, den 1642 Martin Zürn geschaffen hatte, aufgestellt. Reste des alten Zürn-Altares finden sich noch im Presbyterium und am Marienaltar. Darunter ist das etwa 30 m große Altarblatt "Die Steinigung des hl. Stephanus" von Mattäus Lettenpichler, signiert 1642. Der nördliche Seitenaltar, ein Pestaltar aus der Werkstatt des Martin Zürn, trägt im unteren Drittel die älteste Darstellung Braunaus, die sich in der Stadt befindet. Das Renaissance-Chorgestühl stammt aus der Zeit um 1520. Auf der Empore steht eine Orgel aus der Zeit um 1580, die dem Passauer Orgelkreis zugeschrieben wird. Der Turm mit seinen 96 Metern Höhe ist der dritthöchste Kirchturm Österreichs. Im Jahre 1492 wurde der Grundstein vom Ranshofener Probst Leonhard gelegt und von dem Braunauer Meister Wolfgang Wieser erbaut. Die unteren sechs Geschoße sind gotisch, wobei das dritte und vierte Geschoß mit maßvollen, sich überschneidenden Tuffsteinbögen geziert sind. Das obere siebte Geschoß und die Kuppel wurden 1752 aufgesetzt, anstelle eines ursprünglichen hohen Zeltdaches. Kirche und Turm sind aus Ziegeln erbaut und mit Tuffstein verkleidet. Rund um die Kirche, wie auch in ihrem Inneren, befindet sich eine große Zahl wertvoller Grabsteine aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock. Ausführlich beschrieben werden Kirche und Turm in dem reichbebilderten Kirchenführer "Stadtpfarrkirche St. Stephan", verfasst vom gleichen Autor, wie dieser Kurzführer durch die Stadt.

Quelle:
Eitzlmayr, Max, Braunau - die historische Handelsstadt, Braunau 2. Aufl. 1997