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Sehenswürdigkeiten
der Stadt Braunau
Das
Hl.-Geist -Spital (Plan Nr. 11)
Ein gutes
Stück vor der (ehemals) inneren Ringmauer, am Stadtbach gelegen, befindet
sich die Hl-Geist-Spitalsanlage. Der Mühldorfer Turnieradelige Hartprecht
Harskircher auf Zangberg stiftete bzw. testierte im Jahre 1416 eintausend
ungarische Dukaten in Gold und 100 Pfund Pfenninge in Silber zum Bau "eines
Spitals für schuldlos in Not geratene Bürger Braunaus".
Im Jahre 1417 erfolgte die Grundsteinlegung. Im Fletz des Erdgeschosses
ist die Erinnerungstafel daran eingemauert, die folgenden Text trägt:
"Anno d(omi)ni M
CCC XVII ist das spital hie zu Praunaw angevengt in den Ern des Heilig
Geistes und der serst stai(n) des paus ist gelegt worde(n) an Eritag
vor de(m) Palm Tag. Der Stift Anve(n)ger ist gewest Her(r) Hartprecht
Harskirch".
Unmittelbar vor dem nördlichen Seiteneingang zur Kirche befindet sich
der rote Marmorgrabstein des Stifters. Am unteren Drittel des Steins ist
das Wappen - eine Zange - eingemeißelt. Spital und Kirche wurden in einem
Zug von den Brüdern Oswald und Arnold Bürckhel aus Burghausen erbaut.
Die Weihe erfolgte 1432. Die Gesamtanlage ist eine der ganz wenigen, im
niederbayerisch-österreichischen Raum stilrein erhaltenen, spätgotischen
Spitalsanlagen. Das Spital, besser gesagt das Versorgungshaus, diente
zur Aufnahme alter und kranker Menschen, und war als solches bis zum Bau
des neuen Altenheimes im Jahre 1963 dafür genutzt. Der Spitalbau ist dreigeschossig.
Im Parterre befindet sich ein prachtvoller Fletz (=gepflasterter Vorraum,
im Mittelalter gepflasteter Stall) mit einem massvollen Rippengewölbe.
Beiderseits an den Wänden, zwischen den Diensten vom Haupteingang bis
zum Kircheneingang, sind Steinbänke in die Mauer eingelassen, auf denen
die "armen Pfründner", so hießen die Spitaleinsitzer), um milde Gaben
baten. In einem vorzüglich restaurierten Raum des Ergeschoßes (früher
Schlafraum der Männer) ist die städtische Volksbücherei untergebracht.
Diese umfasst rund 18.000 Bücher für das lesefreudige Publikum. Ein modernes
Sgraffito, geschaffen vom Braunauer akadem. Maler Franz Lukas, erinnert
an die großzügige Restaurierung der ganzen Anlage zur 550. Wiederkehr
des Tages der Grundsteinlegung.
Der Fletz im ersten Obergeschoß ist geziert von einem besonders feingliedrigen
Sterngewölbe. Durch das Licht, das durch zwei spitzbogige, farbenprächtige
Fenster fällt, wirkt der Raum besonders anheimelnd. Die beiden Fenster
zeigen zwei Erzengel und wurden vom Braunauer akadem. Maler Aloys Wach
im Jahre 1928 geschaffen. Im Fletz befindet sich neben einer Reihe wertvoller
Barockfiguren aus aufgelassenen Kapellen um Braunau ein gotischer Kruzifixus
von besonderer Qualität. Dieses Obergeschoß beherbergt die Studienbibliothek
der Stadt. Diese umfaßt mehr als 8000 Bände vieler Wissensgebiete. Die
spätgotische, dem Hl. Geist geweihte Kirche mit ihrem steilen Satteldach
war ursprünglich eine zweischiffige Halle. Der Mittelpfeiler wurde 1687
entfernt und die Decke mit einem maßvollen Sternrippengewölbe versehen.
Eine auffallend große Empore an der Westseite der Kirche dient zur Aufnahme
kranker Spitaleinsitzer, die während der Gottesdienst mit den übrigen
Kirchenbesuchern nicht in Berührung kommen durften. Je eine steile enge
Wendeltreppen, eingelassen in das massive Mauerwerk, führen an der Nord-
und Südseite vom Kirchenraum auf diese Empore. An der Emporenbrüstung
hängt ein besonders schöner Gnadenstuhl (vermutlich von Thomas Schwanthaler)
und beiderseits davon je sechs Prophetenfiguren. Zum Jahre 1697 schuf
der letzte bedeutende Bildhauer Braunaus, Sebastian Högenauer, drei Altaraufbauten,
wovon der Hochaltar als ein Werk des Meisters persönlich angesehen werden
muss.
Als Schreinwächter stehen auf Konsolen, die von Putti getragen werden,
die viel lateinischen Kirchenväter in Überlebensgröße. Die Altarbekrönung
bilden die Statuen Großvater und die Heiligen Johannes der Täufer, Dismas,
Benno und Valentin. Das große Altarbild "die Herabkunft des Hl. Geistes"
und das Oberbild "Christi Himelfahrt" stammen von Johannes Froschauer,
signiert 1697. Der linke Seitenaltar ist den vierzehn Nothelfern, der
rechte den Hl. Drei Königen geweiht. Ihre Gestaltung ist nicht ganz so
wertvoll wie jene des Hochaltares. Auf dem Hochaltar steht in einem silberausgeschlagenen
Schrein eine Marienstatue aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Sie wurde
von einem Münchener Bürger, der während des Dreißigjährigen Krieges nach
Braunau geflohen war, gestiftet. Ein Stifterbild dazu, das sein Neffe
als Spitalbenefiziat anfertigen ließ, hängt an der nördlichen Innenwand
der Kirche und zeigt u.a. eine Darstellung der alten Stadt Braunau. Auf
der Rückseite des Hochaltares befindet sich eine Tafel mit folgender Inschrift:
"Dieser Choraltar
1697 aufgesetzt und auf diesem am 18. August von Probst Ivo unter Thrompetten
und Hörn(er) Paukhenschall sollemnissimi infulieret ein Ambt gehalten
wordne, als Georg Irrnberger Beneficiat, Franz Angermayer, Innern Raths
Ober- und Jacob Christoph Praunseyserl, Äußern Raths Unter-Spitalmaister
war".
Die Kirche
besitzt ein Chorgestühl, über dem sich Holzschnitzarbeiten der zwölf Apostel
befinden. Unter der Kanzel sind die Stühle, einstmals bestimmt für Bürgermeister
und Spitalmeister. Am südlichen Pfeiler unter dem Chorbogen ist ein großer
barocker Kruzifixus unter dem eine ebensolche Mater Dolorosa steht. An
den Emporenpfeilern findet man eine Reihe alter Grabsteine. An der Westwand
der Kirche, beiderseits des großen Portals, befinden sich noch die Rahmungen
jener Fenster, die aus den Stuben der Pfründer in die Kirche führten.
An der Nordostseite der Kirche ist der 60 m hohe Turm angebaut. Die nadelspitze
Bedachung ist mit Lärchenschindeln gedeckt und macht etwa ein Drittel
der gesamten Turmhöhe aus. Kirche und Spital sind seit Anbeginn Besitz
der Stadt Braunau. Der Landshuter Herzog Heinrich XVI., der Reiche, entschied
dies bereits als Testamentsvollstrecker. Die Verwaltung des Spitals, wie
die Präsentation des jeweiligen Benefiziaten, erfolgt bis zum heutigen
Tag durch die Stadt Braunau. Selbstverständlich wurde auch der Spitalmeister
von der Stadt bestellt. Die Hl.-Geist-Spitalsanlage zu Braunau zählte
in 17. und 18. Jahrhundert zu den reichsten Grundherrschaften Niederbayerns,
deren Besitz sich beiderseits des Innflusses erstreckte. Nach der Eingliederung
des Innviertels im Jahre 1779 wurden die Besitzungen links des Inn, im
heutigen Bayern gelegen, veräußert. Der nördlich der Kirche gelegene Palmpark
war bis 1860 der "Wurzgarten" (Gemüsegarten) des Spitals. Hier befand
sich ein siebengeschossiges Wirtschaftsgebäude, das 1809 abbrannte und
nicht mehr aufgebaut wurde. Bis 1784 befand sich um die Kirche auch ein
kleiner Friedhof.
Quelle:
Eitzlmayr, Max, Braunau - die historische Handelsstadt, Braunau 2. Aufl.
1997
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