Die Idee, mit und um Hitlers Geburtshaus "etwas zu machen", ist nicht neu. Sie reicht bis ins Jahr 1955 zurück. Während jetzt versucht wird, das "Haus der Verantwortung" umzusetzen, rang damals der Gemeinderat darum, am Haus selbst eine Mahntafel anbringen zu dürfen. Knapp 30 Jahre später (1983) wurde ein entsprechender Beschluss gefasst. Die Mahntafel konnte jedoch nicht montiert werden, da die Besitzerin aus Angst vor Anschlägen erfolgreich vor Gericht gezogen war.

Wieder vergingen Jahre. Dann ergriff Bürgermeister Gerhard Skiba, damals erst drei Monate im Amt, die Initiative. Anfang April 1989 wurde auf seine Veranlassung hin auf öffentlichem Grund direkt vor dem Hitler Haus ein Mahnstein aufgestellt.

Der Zeitpunkt - zwei Wochen vor dem 100. Geburtstag Hitlers - war bedacht gewählt. Die gesamte Weltpresse richtete ihre Aufmerksamkeit auf Braunau am Inn. Die Aufschrift auf dem Stein, der aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen stammt, verdeutlichte unmissverständlich, wie die Stadt und ihre Bürger zur Vergangenheit stehen. Bürgermeister Gerhard Skiba damals in Presse-Zitaten: "Ausgehend davon, dass wir hier in Braunau geschichtliche Tatsachen zur Kenntnis nehmen, darf gerade das Tragische nicht verdrängt werden." Und weiter: "Mit diesem Schritt wird ein deutliches äußeres Zeichen gesetzt, wie wir in Braunau zur Vergangenheit stehen ... Dem Mahnstein wird nur der Platz vor dem Hitler Geburtshaus gerecht ... Nur auf diesen Ort konzentriert sich die Aufmerksamkeit." (Die Opposition hätte den Mahnstein lieber beim Kriegerdenkmal oder in einer Krypta gesehen).

20. April 1989: Die ganze Welt schaut auf Braunau am Inn!


Wie erwartet, nahmen Fernsehteams aus ganz Europa, den USA, Japan, der damaligen UdSSR die Ereignisse ebenso wie die gesamte Weltpresse auf.
Vor allem mit einem Bild konnten alle nach Hause zurückkehren - mit dem Mahnstein und der darauf festgeschriebenen Haltung der Braunauer zur Vergangenheit:


Für Frieden, Freiheit
und Demokratie
Nie wieder Faschismus
Millionen Tote mahnen