Sehenswürdigkeiten der Stadt Braunau
Die ehemalige Klosterkirche St. Pankraz in Ranshofen (außerhalb des Altstadtgebietes)

Der Name Ranshofen wird erstmals im Jahre 788 urkundlich genannt.
Im Jahre 898 ließ Kaiser Arnulf eine Kapelle zu Ehren des hl. Pankraz errichten, aus der, nach anfänglicher Weltpriestergemeinschaft, im Jahre 1125 ein Augustiner-Chorherrenstift hervorging. Der noch heute erhaltene, zum Teil barockisierte Kirchenbau stammt aus der Zeit und 1520 . Zur großen Achthundertjahrfeier (1699) wurde die Kircheneinrichtung vollständig im Geist des barocken Denkens erneuert und so prachtvoll zeigt sich die Kirche noch heute dem Besucher.
Haupt- und Seitenschiff sind reich stuckiert und tragen wertvolle Fresken. Den Stuck schufen die Salzburger Stuckateure Hans Salleitner und Josef Schmid.
48 Fresken schuf allein im Mittelfeld der Augustiner Laienbruder Christoph Lehrl aus dem Kloster Höglwörth. Die fünf Hauptfresken zeigen Leben und Tod des Kirchenpatrons und ein großes Fresko des Kloster Ranshofen zur Zeit des großen Jubiläums. Die übrigen Fresken beziehen sich auf die Arbeit des Konvents und der Wirtschaft und sind besonders volkskundlich von großer Bedeutung Die Aufbauten des Hochaltares und der sechs Seitenaltäre stammen von dem Braunauer Bildhauer Sebastian Högenauer. Als Schreinwächter am Hochaltar stehen die heiligen Augustinus und Ambrosius, als Assistenzfiguren die hl. Frauen Monika und Elisabeth. Die Altarbekrönung bilden links Kaiser Heinrich II., der Heilige, mit dem Erzengel Raphael und dem hl. Martin, rechts die Frau Kaiser Heinrichs, die hl. Kunigunde, mit dem Erzengel Michael und dem hl. Florian. In die Laterne reichend, zwei Engel mit Kreuz. Das große Altarblatt "Enthauptung des hl. Pankraz" und das Oberbild "Hl. Dreifaltigkeit" schuf der kurfürstlich bayerische Hofmaler Caspar Sing, ein Goldschmiedsohn aus Braunau. Die Altarblätter der sechs Seitenaltäre - die heiligen Augustinus Stephanus, Barbara, Jakobus, Sebastian und die hl. Familie - malte Philipp Ruckerbauer aus Sarleinsbach (Mühlviertel). Das prachtvolle Chorgestühl schuf "ein Zimmermann aus dem Markt Mauerkirchen". Kanzel und Schalldeckel stammen von Jodok Scherfler. Auf den beiden rückwärtigen Seitenaltären stehen zwei silberbeschlagene Glasschreine mit den Gebeinen der Katakombenheiligen Coelestin und Marius. Das nördliche Seitenschiff trägt an der Decke einen Freskenzyklus aus dem Marienleben und die Mariekapelle weitere Bilder zu diesem Zyklus und reichen Stuck von Johann Baptist Modler.

Eingefriedet wird diese Kapelle von einem sehr schön gearbeiteten, schweren Schmiedeeisengitter eines Schärdinger Meisters. Unter dem Boden der Marienkapelle entdeckte man Teile des achteckigen Fundaments der alten, 898 erbauten Pfalzkapelle. Die Innenwände der Kirche sind mit einer großen Zahl wertvoller Grabsteine von Pröbsten und Gönnern des Klosters Ranshofen geschmückt. Im Jahre 1811, als das Innviertel "von Napoleons Gnaden" wieder bayerisch war, wurde das Kloster Ranshofen nach fast 700 Jahren verdienstvollen Wirkens aufgelöst und mit Ausnahme der Kirche aller bewegliche und unbewegliche Besitz verschleudert. Es sei hier auch auf den ausführlichen, reichbebilderten Kirchenführer von Ranshofen verwiesen, der von OSR Loys Auffanger verfasst wurde.

Quelle:
Eitzlmayr, Max, Braunau - die historische Handelsstadt, Braunau 2. Aufl. 1997