Haus der Verantwortung
Das Haus, in dem Adolf
Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, hat eine lange Geschichte.
Nach Franz Martin, Braunauer Häuserchronik (Salzburg 1943), bestand es ursprünglich
aus zwei Gebäuden, deren Besitzer bis ins 17. Jahrhundert nachweisbar sind.
Es war eine "freieigene Behausung in der Vorstadt mit der darauf haftenden realen
Bierbräugerechtsame nebst Schank- und Gastungsrecht, dann Stadel, Stallung und
Sudhaus." Seit 1826 hatte es die Anschrift "Vorstadt 219", erst 1890 erfolgte
die Umbenennung in "Salzburger Vorstadt 15".
Das Haus war seit 1888 im Besitz von Franz und Helene Dafner, die darin ein
Gasthaus führten. 1891 starb Franz Dafner. Seine Witwe, 1891 in zweiter Ehe
mit Jakob Bachleitner verheiratet, führte das Gasthaus bis Ende 1911 weiter.
Sie verkaufte es zu Beginn des Jahres 1912 an Josef Pommer. Dieser führte das
Gasthaus unter dem Namen "Zum Hirschen", wobei bemerkenswert ist, dass dieser
Gasthausname nicht an der Fassade des Hauses angebracht war. Seit 1912 ging
man also "zum Pommer", womit natürlich nicht ein Gasthausname "Zum Pommer" -
schon überhaupt nicht die Verbindung mit einem Bewohner der Landschaft Pommern
- gemeint war. Der Name "Zum Hirschen" wurde nämlich nicht populär, da es in
Braunau ein Gasthaus mit dem Namen "Zum Goldenen Hirschen" gab und somit die
Verwechslungsmöglichkeit "Zum Hirschen" - "Zum Goldenen Hirschen" bestand. Die
Lokalität war einfach der "Gasthof des Josef Pommer".
1938 wurde das Haus von Martin Bormann im Auftrag der NSDAP um den vierfachen
Verkehrswert gekauft, saniert und zu einem Kulturzentrum mit Volksbücherei umgestaltet.
Von Frühjahr 1943 bis Herbst 1944 fanden in der "Braunauer Galerie im Führer-Geburtshaus"
Ausstellungen statt, in denen Bilder und Plastiken von Künstlern aus Braunau
und der näheren Umgebung gezeigt wurden.
Unmittelbar nach der Befreiung Braunaus durch amerikanische Truppen am 2. Mai
1945 versuchte ein deutscher Stoßtrupp, Hitlers Geburtshaus in die Luft zu sprengen,
doch vereitelten US-Soldaten diesen Angriff. Am 1. November 1945 wurde "an der
Stätte, von der aus einst Hitler in die Welt trat", eine Ausstellung eröffnet,
die den Besuchern besonders das Grauen der Konzentrationslager zeigen sollte.
Das Gebäude, welches 1952 durch einen Rückstellungsvergleich den ehemaligen
Eigentümern zurückgegeben und vom Bund gemietet worden war, war bis 1965 Sitz
der Stadtbücherei; in der Folgezeit diente es kurz als Ausweichquartier für
eine Bank, später wurden einige Klassen der als städtische Schule gegründeten
Höheren Technischen Lehranstalt untergebracht (1970-1976) . Nach dem Neubau
der HTL fand die "Lebenshilfe" eine Bleibe im Haus Salzburger Vorstadt 15 und
führt dort eine Tagesheimstätte und Werkstätten für behinderte Menschen.
Seit Abschluss der von der Braunauer Rundschau initiierten, von Bürgermeister
Gerhard Skiba, dem Verein für Zeitgeschichte und allen Fraktionen des Braunauer
Gemeinderates mitgetragenen Aktion "Braunau setzt ein Zeichen" (Februar 2000)
werden Bemühungen in die Wege geleitet, den Ankauf des Hauses Salzburger Vorstadt
15 durch die öffentliche Hand im Zusammenwirken von Bund, Land und Gemeinde
sowie, wenn möglich, mit Unterstützung der EU zu realisieren.
Die Bemühungen
der Stadt, den Ankauf zustande zu bringen, konnten bisher mit noch keinem entsprechenden
Ergebnis abgeschlossen werden und laufen unvermindert weiter.
Später, wenn
es einmal von der Lebenshilfe wegen des Umzuges in den Neubau nicht mehr zur
Gänze verwendet wird, soll das Haus als "Haus der Verantwortung"
eingerichtet und genutzt werden. Der "Verein für Zeitgeschichte"
hat den Innsbrucker Politikwissenschafter Dr. Andreas Maislinger mit der Erstellung
eines Konzeptes für die künftige Nutzung von Hitlers Geburtshaus als
"Haus der Verantwortung" beauftragt.
Dieses Konzept wurde dem Vorstand des Vereines vorgelegt und wird derzeit beraten.