Sehenswürdigkeiten der Stadt Braunau
Die Wallfahrtskirche St. Valentin in Haselbach (außerhalb des Altstadtgebietes)

Etwa einen Kilometer östlich des Stadtzentrums liegt der Ortsteil Haselbach mit seiner gotischen Wallfahrtskirche zum hl. Valentin der Rätier. Schon im Jahre 1074 weihte Bischof Altmann von Passau hier eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen. Die heutige Kirche mit ihrem spitzen Turm stammt aus der Zeit um 1420.
Der ganze Bau ist aus Tuffsteinquadern erbaut worden. Die Kirche war ursprünglich eine zweischiffige Halle, deren zwei Mittelpfeiler 1690 entfernt wurden, worauf man ein Tonnengewölbe einzog. Auch die einstmals spitzbogigen gotischen Fenster erhielten Rundbögen. Nur die Kirchenportale behielten ihre gotische Form. Der Hochalter "Der hl. Valentin unter Kranken und Armen" dürfte auch um diese Zeit von Ranshofen hierher übertragen worden sein. Die Bekrönung des Altares bilden zwei wertvolle Engel des Salzburger Meisters Hanns Waldburger. Einen besonderen Schatz beherbergt die Kirche in Form eines aus acht großformatigen Ölbildern (108 x 220 cm) bestehenden Valentin-Zyklus. Die Bilder entstanden 1684 und zeigen die Berufung, das Wirken, die Vertreibung, den Tod und die Translatio des hl. Valentin. Dieser Zyklus ist einer der bedeutendsten im deutschen Sprachraum. Die Bilder dürften den kurfürstlich bayerischen Hofmaler Martin Heigl inspiriert haben, seine großen Deckenfesken und die flankierenden Grisaillebilder im Kircheninnern von Haselbach zu malen. Die fünf großen Fresken zeigen die Berufung Valentins nach Passau, sein Wirken und seine Vertreibung, die Translation von Trient nach Passau, seine himmlische Hilfe gegen die Awaren und den Heiligen vor dem Throne Gottes. Die schon recht unansehnlich gewordene Kirche wurde in den Jahre 1974 bis 1986 vom Bauausschuss Haselbach, einer Gemeinschaft von Idealisten, aus eigenen Kräften und im wahrsten Sinn des Wortes "von Grund auf" saniert. Dafür wurden 15.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet und rund vier Millionen Schilling aufgebracht. Auch der alte Pfarrhof, einstmals Sitz des Hofrichters von Ranshofen, wurde vollständig saniert und das gesamte Ensemble ist zu einem Juwel Braunaus geworden.

Quelle:
Eitzlmayr, Max, Braunau - die historische Handelsstadt, Braunau 2. Aufl. 1997