Sehenswürdigkeiten der Stadt Braunau
Der Walchergraben und Färbergraben (Plan Nr. 29)

Eigentlich ist es ein durchgehender und im Osten des Stadtkernes aufgeschütteter Graben. Wenn man den Torturm in Richtung Süden durchschreitet, kommt man unmittelbar danach auf eine steinerne Brücke, durch welche der Graben, vom Beschauer aus gesehen, geteilt wird. Zur Zeit der Stadtgründung waren diese Gäben zusammen mit dem fast völlig aufgeschütteten Hundsgraben im Osten die schützenden Gräben der jungen Stadt. Der Walchergraben, der westliche Teil des geteilten Grabens, hatte seinen Namen von den Tuchwalkern, die sich dort befanden. Im vorigen Jahrhundert hatte man in diesem Graben eine Schleifmühle erbaut und den Graben in "Schleifmühlgraben" umbenannt. Dieser Name gilt noch heute.

Auf der steinernen Brücke wurde um 1670 eine Barockkapelle (Plan Nr. 14) zu Ehren des hl. Johannes Nepomuk erbaut. Sie befand sich in einer Linie zum Fahrbahnrand. Als nach den Zweiten Weltkrieg beiderseits des Tores Fußgängerdurchgänge geschaffen wurden, musste die Kapelle vom ursprünglichen Standort versetzt werden. Das Bauwerk, dessen Gewicht auf etwa 30 Tonnen geschätzt wird, wurde über dem Fundament abgeschnitten und in einer Nacht etwa 8 m zum neuen Standort "gerollt". Sie steht somit direkt über dem Färbergraben.
Durch beide Gräben fließt der Stadtbach, der früher sehr fischreich und vielen Handwerkern der Stadt dienlich war. So betrieb er einige Mühlen, ließ die Lederer ihre Tierhäute wässern. An der Schwemme wurden die Pferde gesäubert und schließlich diente er den Färbern bei ihrer Arbeit. Doch vorher nutzte man sein Wasser für die drei Badhäuser Braunaus. Man entnahm sein Wasser zur Körperreinigung, leitete aber das Schmutzwasser wieder in sein Bett. Im Färbergraben steht der alte Wasserturm mit dem Brunnhaus. Durch ein großes Wasserrad konnte das Stadtbachwasser im Wasserturm hochgepumpt und dann in offenen Rohren in die Stadtplatzhäuser als Nutzwasser geleitet werden. Weil das Wasser durch die verschiedentlichen Nutzung keineswegs rein war, hätte es auch nach der Wasserordnung von 1517 nie als Trinkwasser verwendet werden dürfen. Weil es trotzdem geschah, gab es wiederholt große Seuchen in der Stadt.
Wenn man auf dem romantischen Weg hoch über dem Färbergraben ostwärts wandert, kommt man am Wasserturm mit dem Brunnhaus und den Badhäusern vorbei zum

Malerwinkel (Plan Nr. 10)

der das Ende dieses kurzen Weges bildet. Wirklich malerisch ist der Blick auf die Türme der Stadt: den Wasserturm, den Tortur, den Stadtturm und den alles überragenden Turm St. Stephan. Man kommt hier vorbei an den drei Badhäusern, dem Vorderbad (Haus Färbergasse 13), dem Mitterbad (Haus Am Berg 1) und dem Hinterbad (Haus Mühlengasse 2) Während das Vorderbad von der Stadt, vor allem für die Stadtarmen betrieben wurde, diente das Mitterbad den reichen Bürgern als Badhaus. Das Hinterbad gehörte zum Hl.-Geist-Spital und war vor allem für die Pfründner des Spitals gedacht. Vom Malerwinkel aus hat man weiters einen schönen Blick auf die Siedlung am Berg, bei der es sich um die erste Stadterweiterung nach 1380 handelt. Der hier beschriebene Weg konnte erst vor wenigen Jahren geschaffen werden.

Quelle:
Eitzlmayr, Max, Braunau - die historische Handelsstadt, Braunau 2. Aufl. 1997