5 km westlich von Wiener Neustadt in Niederösterreich bilden die Fischauer Vorberge die östlichsten Ausläufer der Nördlichen Kalkalpen. Die Kuppen und Hochflächen des etwa 8 km langen Triaskalk- und Dolomitbergzuges erreichen 605 m Seehöhe (Größenberg). Die Eisensteinhöhle in seinem Ostabfall, 100 m oberhalb von Bad Fischau-Brunn, bietet ein Höhlenabenteuer der besonderen Art.
berichtete im Herbst 1855 der k. und k. Geniemajor Freiherr von Scholl über eine bei Steinbrucharbeiten oberhalb von Brunn am Steinfeld entdeckte Höhle. Im Alter von 15 Jahren stief Franz Mühlhofer (1. Reihe Mitte) 1896 mit einer Gruppe Jugendlicher über Strickleitern als erster bis zum tiefsten Punkt der Höhle ab.
Seit 1931 steht die Eisensteinhöhle als Naturdenkmal unter besonderem Schutz. Die wissenschaftlichen Untersuchungen, die damit begannen, wurden nach einer Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg mit modernen Methoden fortgesetzt und haben gleichermaßen zu wertvollen wie überraschenden Ergebnissen geführt. Heute sind rund 2 km eines Labyrinthes aus hohen Klufträumen, schmalen Spalten, niedrigen Passagen und engen Schlüfen bekannt, das eine Vertikalerstreckung von 90 m erreicht. Rotbraune Lehmablagerungen prägen das Bild der Höhle. Nahezu alle Räume sind mit vielgestaltigem Perlsinter geschmückt. Eine Besonderheit stellt die Thermalquelle (+15 Grad C) am tiefsten Punkt dar.
Wer von der Höhle Richtung Wiener Neustadt blickt, kann die Spuren der jungen und jüngsten erdgeschichtlichen Vergangenheit erkennen: Brandungsterrassen der Meere, Ablagerungen von Algenkalken, bunte, verkittete Schutthalden („Wurstmarmore”), alte Flußdeltabildungen (Konglomerate), das von bis zu 80 m mächtigen, eiszeitlichen Schottern erfüllte südliche Wiener Becken. Dieses ist entlang von Bruchlinien seit rund 17 Mill. Jahren in die Tiefe gesunken. An dem bedeutenden Bruch der „Thermenlinie” am Westrand des Beckens ist die Eisensteinhöhle in den miozänen Meeresablagerungen angelegt. Die chemische Lösungskraft von Thermal- und Niederschlagswasser haben die vorgebildeten Spalten und Fugen erweitert. Kalke und Schlote sind charakteristisch für viele Höhlenabschnitte.
Eine Stunde dauert die Führung vom 1958 geschaffenen Neuen Eingang zur Thermalquelle und wieder zurück durch den Alten Eingang zum Tageslicht. Der Höhlenbesucher, ausgerüstet mit Helm, Overall, Stiefeln und Karbidlampe, darf sich nicht scheuen, über lehmige Stufen und 4 Eisenleitern zu klettern. Bei einer Temperatur von +13 Grad C und 100% Luftfeuchtigkeit ist warme Kleidung nicht erforderlich. Für Kinder unter 10 Jahren und Personen mit Herz- und Kreislaufbeschwerden ist der Höhlenbesuch nicht zu empfehlen.
Einen Besuch der Eisensteinhöhle sollten Sie mit einer Wanderung in den Fischauer Vorbergen verbinden. Ein dichtes Netz von Wanderwegen in einer abwechslungsreichen Landschaft beschert Ihnen zu jeder Jahreszeit Begegnungen mit einer artenreichen Flora und Fauna, die unseren besonderen Schutz verdient. Diptam oder Spechtwurz - einer der schönsten Pflanzen
Die Kamm-Muschel - ein häufiges Fossil aus dem mittleren Miozän.
Von den einzigen fliegenden Säugetieren, den Fledermäusen, überwintern nur zwei Arten - die Große und die Kleine Hufeisennase - regelmäßig in der Höhle.
Höhlen sind Teil unserer Umwelt. Die Kräfte, die eine Höhle formen, arbeiten sehr langsam. Was der Mensch zerstört, kann auch in Jahrhunderten nicht heilen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Höhlenschutz, wenn Sie die zarten Sinterbildungen nicht beunruhigen und das Rauchen unterlassen. © ÖAV Sektion „Allzeit Getreu” Wiener Neustadt,
Lederergasse 5. |